Im Mittelpunkt der Gesprächsrunde mit Staatssekretär Dr. Fedor Rose, Ministerium der Finanzen Rheinland-Pfalz, und Nicole Hahn, Kandidatin für das Amt der Verbandsbürgermeisterin der VG Unkel, stand die Frage, wie Digitalisierung in kleinen Städten und Gemeinden konkret gestaltet werden kann.
Dabei wurde deutlich: Digitalisierung ist weit mehr als die Umstellung analoger Prozesse auf digitale Verfahren. Sie bietet die Möglichkeit, Verwaltung neu zu denken, Abläufe einfacher und effizienter zu gestalten und den Zugang zu kommunalen Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger zu verbessern.
Digitale Bürgerservices und Bürgernähe
Ein zentraler Punkt der Diskussion waren digitale Bürgerservices. Viele Verwaltungsleistungen sollten künftig möglichst unkompliziert online erledigt werden können – von der Antragstellung über die Terminvereinbarung bis zur Übermittlung von Unterlagen und Informationen.
Gleichzeitig darf Digitalisierung nicht dazu führen, dass der persönliche Kontakt zur Verwaltung verloren geht. Bürgernähe bedeutet, unterschiedliche Zugänge zu ermöglichen. Wer digitale Angebote nutzen möchte, sollte dies einfach und unkompliziert tun können. Wer persönliche Beratung benötigt, muss weiterhin einen direkten Ansprechpartner erreichen können.
Digitalisierung soll damit nicht den Menschen ersetzen, sondern die Verwaltung für die Menschen besser erreichbar machen.
Smart City und Digitale Dörfer
Diskutiert wurde außerdem, welche Möglichkeiten Smart-City-Konzepte und die Initiative „Digitale Dörfer“ gerade für kleinere Kommunen bieten.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Technik einzusetzen. Entscheidend ist vielmehr die Frage, welche konkreten Herausforderungen vor Ort mit digitalen Lösungen besser bewältigt werden können. Themen können beispielsweise Mobilität, Energie, Umwelt, Tourismus, Infrastruktur, Nahversorgung oder die Vernetzung lokaler Angebote sein.
Gerade für eine Verbandsgemeinde mit mehreren Ortsgemeinden liegt eine besondere Chance darin, Erfahrungen und Lösungen gemeinsam zu nutzen.
Kommunale Zusammenarbeit
Ein weiterer Schwerpunkt war die kommunale Zusammenarbeit. Kleine Kommunen verfügen häufig nur über begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen für Digitalisierung.
Deshalb sollte nicht jede Ortsgemeinde eigene Lösungen entwickeln müssen. Gemeinsame Standards, technische Systeme und der Austausch von Wissen können dazu beitragen, Ressourcen zu bündeln und gleichzeitig bessere Angebote zu schaffen.
Für die Verbandsgemeinde bedeutet das auch, Digitalisierung als gemeinsame Aufgabe zu verstehen und die Ortsgemeinden stärker miteinander zu vernetzen.
Open Data und Transparenz
Ein wichtiges Zukunftsthema ist Open Data. Kommunen verfügen über zahlreiche Daten, die – sofern Datenschutz und andere rechtliche Vorgaben eingehalten werden – öffentlich zugänglich gemacht werden können.
Offene Daten können Transparenz schaffen und neue Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Vereine und Initiativen eröffnen. Denkbar sind beispielsweise Daten aus den Bereichen Verkehr, Umwelt, Infrastruktur, Tourismus oder kommunale Angebote.
Dabei muss immer geprüft werden, welche Daten tatsächlich einen öffentlichen Mehrwert bieten. Persönliche und schützenswerte Daten müssen selbstverständlich geschützt bleiben.
Künstliche Intelligenz in der Verwaltung
Auch die zunehmende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz wurde thematisiert. KI kann perspektivisch bei Recherche, Informationsaufbereitung, Standardanfragen oder der Bearbeitung umfangreicher Dokumente unterstützen und damit Beschäftigte entlasten.
Gleichzeitig stellt der Einsatz von KI neue Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit, Transparenz und Verantwortlichkeit. Entscheidungen, die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar betreffen, müssen nachvollziehbar bleiben und dürfen nicht einfach an ein technisches System delegiert werden.
Damit verbunden ist auch die Frage der Qualifizierung: Beschäftigte in den Verwaltungen müssen die Möglichkeit erhalten, sich mit neuen digitalen Werkzeugen vertraut zu machen und deren Chancen und Grenzen einschätzen zu können.
Was kann Politik leisten?
In der Diskussion wurde deutlich, dass Digitalisierung nicht allein eine technische Aufgabe ist. Politik muss die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, Prioritäten setzen und dafür sorgen, dass gute Lösungen auch tatsächlich in der kommunalen Praxis ankommen.
Für Nicole Hahn gehört dazu eine klare Digitalisierungsstrategie für die Verbandsgemeinde. Dabei sollten konkrete Ziele definiert werden: Welche Leistungen sollen digital angeboten werden? Welche Projekte haben Priorität? Welche Lösungen können gemeinsam mit anderen Kommunen genutzt werden? Welche finanziellen und personellen Ressourcen werden benötigt?
Auch die Unterstützung durch Land und Bund ist für kleinere Kommunen von Bedeutung. Gerade bei Fachwissen, Finanzierung, Infrastruktur und der Entwicklung gemeinsamer Standards können übergeordnete Ebenen dazu beitragen, dass Digitalisierung nicht an den Möglichkeiten einzelner Kommunen scheitert.
Digitalisierung als Zukunftsaufgabe
Als gemeinsamer roter Faden der Gesprächsrunde zeigte sich: Digitalisierung muss vom Nutzen für die Menschen her gedacht werden.
Für Nicole Hahn bedeutet das: Eine moderne Verbandsgemeinde sollte digitale Möglichkeiten konsequent nutzen, ohne ihre Bürgernähe aufzugeben. Verwaltung soll einfacher erreichbar, Prozesse sollen transparenter und Dienstleistungen leichter zugänglich werden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, was technisch möglich ist, sondern:
Was brauchen die Menschen vor Ort – und wie können wir digitale Möglichkeiten nutzen, um unsere Verbandsgemeinde lebenswerter, bürgernäher und zukunftsfähiger zu machen?
Dabei bilden für Nicole Hahn moderne Verwaltung, kommunale Zusammenarbeit, verantwortungsvoller Umgang mit Daten, Künstliche Intelligenz und persönliche Bürgernähe keine Gegensätze, sondern Bausteine einer zukunftsorientierten Verbandsgemeinde.